Historie: Der geplante Ortsgüterbahnhof in der Loddenheide

Aus GUB Münster
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Auf der Suche nach dem Bunker im Damm der GUB bin ich im Stadtarchiv Münster auf etwas gestoßen, von dem ich noch nie gehört habe und das in der mir bekannten Literatur nicht erwähnt wird: Ein Ortsgüterbahnhof in der Loddenheide.

"Verwertung der Loddenheide"

Nach Ende des 2. Weltkriegs verlangte die britische Militärregierung die Entmilitarisierung des ehemaligen Militärflugplatzes Loddenheide, der zwischen Kanal und Albersloher Weg an die GUB grenzte. Mehrere Parteien waren an der Nutzung von Gelände und Gebäuden interessiert, z.B. als Weideland für Pferde der städtischen Müllabfuhr und Strassenreinigung.

In einem Brief des Tiefbauamts von Dr. Dübbers an das Planungsamt vom 25.01.1947 wird darauf hingewiesen, dass eine Verpachtung an Fremde problematisch sei, weil Pachtverhältnisse nur mit Schwierigkeiten wieder gelöst werden können, und deshalb eine Verpachtung an die Stadt zweckmäßig sei, um jederzeit über das Gelände verfügen zu können. Spezifisch wird nachgefragt, wie es sich mit dem Gelände verhält, das die Reichsbahn in Anspruch nehmen möchte.

Hört, hört!

Aufteilung in Industriegebiet und Bahnhof

OGbf Loddenheide Aufteilung scaled.jpg

Skizze Aufteilung Loddenheide (Quelle: SAMS Stadtarchiv Münster, Liegenschaftsamt (Amt 23) Nr. 1244)

Nach Ansicht von Herrn Dipl. Ing. Pantenius (nicht sicher; deutsche Schreibschrift) in seiner Antwort vom 28.01.1947 "steht eindeutig fest, dass auf dem östlichen Teil der Loddenheide später einmal der Ortsgüterbahnhof angelegt wird". "An diesen Plänen wird sich grundsätzlich nichts ändern, wohl aber an den Einzelheiten der Planung d.h. in der Art, wie das Gelände durch Strassen, Bahngleise und dergleichen erschlossen wird."

Zu dieser Antwort gehört auch ein Plan im Maßstab 1:10000, der die Aufteilung des Geländes zeigt: Ein "geplantes Industriegebiet" im Westen und einen "geplanten Ortsgüterbahnhof" im Osten geteilt entlang einer Achse, die parallel zum Albersloher Weg verläuft, im Verhältnis 2/3 zu 1/3.

"Die verbleibende westliche Hälfte ist im Benehmen mit der Wasserstraßendirektion für die Schaffung neuer Umschlagmöglichkeiten im Wasserstraßenverkehr (neuer Stadthafen usw.) mit anschließender Unterbringung von Industriebetrieben in Aussicht genommen" steht in einem Schreiben des Stadtvermessungs- und Liegenschaftsamtes an den Regierungspräsidenten vom 19.09.1947. Auch das ist recht interessant!

In einem Schreiben des Stadtvermessungs- und Liegenschaftsamtes an das städtische Wohnungsamt und das Gewerbeamt von Stadtvermessungsdirektor Dr. Brand vom 23.01.1948 wird noch einmal betont, "einen wesentlichen Teil der Loddenheide für die Anlage eines Ortsgüterbahnhofes verwenden zu wollen".


Der Ortsgüterbahnhof

In 1948 gibt es einen regen Austausch zwischen der Stadt Münster und der Militärregierung, weil die Stadt nutzbare Gebäude in der Loddenheide erhalten möchte, diese aber im Rahmen der Entmilitarisierung abgerissen werden sollen.

In einem Schreiben vom 21.04.1948 wird darauf hingewiesen, dass der "Disarmament Branch" der Briten "noch heute" eine Bescheinigung der Reichsbahn verlangt, dass

  1. "Der Güterbahnhof auf der Loddenheide geplant wurde"
  2. "mit dem Bau des Güterbahnhofs bald begonnen würde"
OGbf Loddenheide scaled.jpg

Plan Ortsgüterbahnhof Loddenheide (Quelle: SAMS Stadtarchiv Münster, Liegenschaftsamt (Amt 23) Nr. 1244)

Dies wird am nächsten Tag durch Herrn Schmidt der Reichsbahndirektion Münster bestätigt: "Betr.: Ortsgüterbahnhof Loddenheide. Wir teilen Ihnen mit, daß mit dem Bau des neuen Ortsgüterbahnhofs im Laufe des Jahres 1950 voraussichtlich begonnen wird. Der Bau wird nach dem Ihnen übersandten Lageplan durchgeführt. Bereits in diesem Jahr beginnen wir mit der Wiederherstellung des zerstörten Gütergleises, das als Zubringer zu diesem neuen Ortsgüterbahnhof dienen soll."


Der beigefügte Lageplan der Reichsbahndirekion Münster vom 15.02.1947 im Maßstab 1:2000 ist sehr detailliert (bis herunter zu Bogenradien), sehr interessant, und leider auch sehr verblichen. Die Abbildung hier ist aus eigenen Fotos zusammengeschustert und im Kontrast verstärkt; das Ergebnis ist so-la-la. Ich werde versuchen, eine "anständige" Reproduktion zu bekommen.


Gebäude

OGbf Loddenheide - Gebäude scaled.jpg

Plan Ortsgüterbahnhof Loddenheide, Gebäude (Quelle: SAMS Stadtarchiv Münster, Liegenschaftsamt (Amt 23) Nr. 1244)

Zu erkennen sind

  • ein U-förmiges, nach Nordwesten offenes Gebäude mit "Empfang" (im Nordosten), "Umladung" (im Südosten) und "Versand" (im Südwesten)
  • vier Freiladestraßen nördöstlich des Gebäudes, die insgesamt neun Gleise umschließen
  • acht Ladegleise zum "Empfang" hin
  • eine "Gleisharfe" mit zehn Gleisen (davon sechs gestrichelt dargestellt), die an der "Umladung" enden
  • acht Ladegleise zum "Versand" hin
  • ein (Betriebs-) Bahnhof mit vier Gleisen südwestlich des Gebäudes und einem Gebäude "Eilgutsch." ("-alter"?) südwestlich davon


Rampen

OGbf Loddenheide - Rampen scaled.jpg

Plan Ortsgüterbahnhof Loddenheide, Rampen (Quelle: SAMS Stadtarchiv Münster, Liegenschaftsamt (Amt 23) Nr. 1244)

Auf dem Plan dargestellt sind

  • zwei Rampen nordöstlich
    • eine "Rampe" mit vier Gleisen
    • eine "Viehrampe" mit drei Gleisen
  • eine Zugbildungsanlage (?) mit acht Gleisen
  • eine "Eilgutrampe" südwestlich, die an drei Gleise grenzt


Anbindung an die Güterumgehungsbahn

OGbf Loddenheide - Anbindung scaled.jpg

Plan Ortsgüterbahnhof Loddenheide, Anbindung an die GUB (Quelle: SAMS Stadtarchiv Münster, Liegenschaftsamt (Amt 23) Nr. 1244)

Auf dem Plan ist auch die projektierte Anbindung an die GUB zu sehen.

Zwei Gleise stellen die Verbindung zum Gleis der Leerrichtung (von Norden) her. Das Ende der nördlichen Kurven liegt übrigens über dem Albersloher Weg. Die damals noch sehr breite Brücke hätte das wohl hergegeben.

Ein Gleis verbindet den Ortsgüterbahnhof mit der Lastrichtung (von Süden). Dazu wird die Verbindungskurve unter dem Gleis der Leerrichtung hindurch geführt. Für mich als Laien scheint das räumlich "etwas knapp bemessen", aber vielleicht hätte man dazu die Lage der GUB-Gleise in der Höhe verändert.

Der Anschluss des Ortsgüterbahnhofs bildet mit der GUB insgesamt ein Gleisdreieck. Da hätte man sogar auf der GUB wenden können!


Anbindung an die WLE-Strecke

Weiter ist auf dem Plan die Anbindung an die WLE-Strecke nach Neubeckum zu sehen. Nach Überquerung des Kanals erfolgt kein Schwenk nach Norden um die Nordost-Ecke der Loddenheide herum wie heute, sondern es geht in gerader Verlängerung ab der Kanalbrücke an der Südost-Seite der Ortsgüterbahnhofs entlang. Von dort ist im Plan keine Anbindung an die WLE-Strecke Richtung Osten zu erkennen, aber es muss ja wohl angedacht gewesen sein, dass weiterhin von Münster Ost Richtung Neubeckum gefahren werden kann?

Alles in allem eine recht große Anlage - die nie gebaut wurde, genauso wenig wie der oben erwähnte neue Stadthafen. Das Schreiben, dem der Plan beigefügt war, ist das Letzte in der Mappe. Aus den Unterlagen geht nicht hervor, warum es zu keiner Umsetzung kam.

Notizen

  • In der gleichen Mappe finden sich detaillierte Pläne der Bebauung der Loddenheide mit Bezeichnung der Funktion der Gebäude und den Vorgaben der britischen Militärregierung in Düsseldorf, wie damit von Fall zu Fall umzugehen ist (z.B. Abriss bei militärischer Nutzbarkeit)



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