Historie: Die Brücke über die Wolbecker Straße

Aus GUB Münster
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Bei Recherchen im Landesarchiv NRW (LNRW) bin ich in "5938 Brückenangelegenheiten der Bahnstrecke Umgehungsbahn Münster (Gemeinden Münster und St. Mauritz)" auf Unterlagen zum Neubau der Brücke über die Wolbecker Straße von 1969 gestoßen.

Vor dem Neubau

Wolbecker Brücke 1930, 1950 Q 001 5938 0002 scaled.jpg

Plan Brücke Wolbecker Straße (vor dem Neubau) (LAV NRW W, O 001/Bundesbahndirektion Münster Nr. 5938)

"Vor dem Neubau" weil "Ursprungszustand" es nicht ganz trifft: im und nach dem Krieg gab es diverse Änderungen, die Beschädigungen durch Bombentreffern geschuldet waren.

Der nicht datierte Plan beleuchtet näher, was es mit der Auslegung auf vier Gleise, dem Kriegsschaden und dem aktuellen Zustand auf sich hat. Da die Brücke in diesem Plan ein "Reichsbahngeländer" aufweist und rote Markierungen und Anmerkungen vorhanden sind nehme ich an, dass der Plan aus der Zeit des Baus stammt und um Informationen zu Kriegsschäden, Nachkriegszustand und geplante Baumaßnahmen ergänzt wurde.


In der nachfolgenden Skizze habe ich das Ganze noch mal mit lesbarem Text und Norden oben dargestellt (im Plan ist Norden unten). Links (nach Westen) geht es auf der Wolbecker Straße nach Münster, rechts (nach Osten) nach - Überraschung! - Wolbeck.

Situation Wolbecker Brücke.png

Nachzeichnung Situation Wolbecker Brücke (CT)


Es werden vier Überbauten beschrieben (von West nach Ost, also links nach rechts):

  • orange dargestellt: Mit Anmerkung "Baujahr 1925 (1928 verschoben)", "Überbauten nicht vorhanden!" (im Plan rot unterstrichen, Überbauten durchkreuzt)
    • Überbau "a" (von "Überholungsstation Sudmühle" nach "Münster R.", also Richtung Süden; "Leer-Richtung")
    • Überbau "b" ("späteres Rheiner Gütergleis nach Nevinghof", also Richtung Norden; "Last-Richtung"), mit Anmerkung "Widerauflagebereich ausbessern (Füllbeton)" (im Plan in grün)
  • weiß dargestellt: Mit Anmerkung "Baujahr 1928", "neuer Stahlüberbau" (rot im Plan)", "schadhafter Widerlagerbereich", "neue Auflagebank" (in grün)
    • Überbau fehlt
  • blau dargestellt: Mit Anmerkung "Baujahr 1928"
    • Überbau c (von "Münster R." nach "Überholungsstation Sudmühle", also Richtung Norden; "Last-Richtung"). Darauf lag das eine Gleis der GUB.

Das Wolbecker Rätsel

Interessant finde ich die angedachte Anbindung an das Gleis nach Rheine. Da Rheine westlich der GUB liegt frage ich mich

  1. wie und wo man von diesem Gleis über oder unter das Gleis aus Sudmühle gekommen wäre
  2. warum die Gleise überhaupt in dieser Anordnung liegen

Feedback willkommen!

Update/ Vorschau: Michael Stach vom MEC Münster hat einen sehr interessanten Plan gefunden und mich Februar 2022 darauf hingwiesen. Dieser Plan zeigt, dass

  • das linke Gleis von Sudmühle durch den Pleister Tunnel gegangen wäre
  • das Gleis von (und auch nach!; eingleisig) Nevinghof über den Pleister Tunnel geführt hätte. Das erklärt den ersten Punkt.
  • das "fehlende Gleis" vor der Brücke in einem Prellbock geendet hätte
  • das rechte Gleis nach Sudmühle so gelegen hätte wie heute

Das alles zusammen erklärt den zweiten Punkt. Das scheint mir die Aufklärung des "Rätsels" zu sein!

Der Neubau

Zunächst gab es 1966 einen Antrag für eine Straßenverbreiterung von 10m auf 15,50m. Schließlich wurde eine Durchfahrtsbreite von 21m durchgesetzt.

Die alte Eisenbahnbrücke wurde in den Jahren 1927/28 erstellt. Die Widerlager waren 20,5m breit und für vier Gleise angelegt. Vor dem Krieg waren zwei eingleisige stählerne Überbauten mit durchgehendem Schotterbett vorhanden. Zur Zeit der Planung des Neubaus war davon nur ein Überbau in Betrieb, der 1950 Instand gesetzt wurde. Der andere Überbau wurde im Krieg beschädigt und ausgebaut.

Zwei eingleisige Überbauten? Nicht nach Luftbildern der Alliierten. Schon im Dezember 1943 fehlt der Auflieger, der in der Skizze weiß dargestellt ist. Die Strecke ist zweigleisig? Ein Gleis nach Norden liegt, wie heute auch, auf "c". Ein deutlich schwächeres Gleis (Baugleis?) nach Süden liegt auf "b". Da die beiden Gleise vor und nach der Brücke dicht nebeneinander liegen macht das linke Gleis einen ordentlichen "Schlenker" nach Westen.

Im März 1945 sieht die Brücke noch genauso aus, aber es scheint, als ob das Gleis nach Süden verschwunden ist. Oder das Baugleis (?) ist im Frühling nicht so auffällig wie in der schneebedeckten Dezember-Landschaft.

Weiter ist den Unterlagen die Rede davon, dass die Teilstrecke zwischen den Blockstellen Pleister und Kanal wegen umfangreicher Kriegsschäden eingleisig betrieben wurde, aber eine Wiederherstellung der Zweigleisigkeit vorgesehen war.

Die neue Brücke sollte in den Widerlagern für zwei Gleise angelegt werden. Im ersten Entwurf sollte davon nur ein Überbau für das vorhandene Streckengleis gebaut werden. Der zweite Überbau sollte von der DB bei Wiederherstellung der Zweigleisigkeit erstellt werden.

Ab dem zweiten Entwurf ist von vornherein von Zweigleisigkeit die Rede, und so ist die die Brücke auch gebaut worden. Bis heute liegt auf der Brücke allerdings nur ein Gleis, und zwar auf der Ostseite.

Nördlich der Brücke macht das Gleis im weiteren Verlauf einen "Schlenker" von Osten nach Westen, ohne dass es dafür einen (mir offensichtlichen) Grund gäbe. Was meinen Sie dazu? Erst kurz von dem Pleistermühlenweg teilt sich das Gleis in die zweigleisige Strecke bis Sudmühle.

Wolbecker Brücke 02.05.1972 Q 001 5938 0001 scaled.jpg

Plan Brücke Wolbecker Straße (Neubau) (LAV NRW W, O 001/Bundesbahndirektion Münster Nr. 5938)

Ein Plan vom 05.02.1970 zeigt den Neubau. Bemerkenswert ist, dass der Neubau zweigleisig ausgelegt worden ist. Wie zumindest initial bei der Verbreiterung der Kanalbrücke sowie dem Neubau der Brücken am Höltenweg und Albersloher Weg konnte man sich anscheinend vorstellen, die GUB in Zukunft auf mehr Gleise zu erweitern.

Zur neuen Brücke gibt es sonst nicht viel zu sagen: Ein Vanille-Zweckbau aus den 70ern, und nicht gerade von Colani.


Notizen

  • Von Katasteramt Foto von vor dem Neubau besorgen
  • 3D-Nachbau der alten und neuen Brücke (Blender)
  • 1943:
    • Zwei Auflieger (sieht aus wie Platz für 2 Gleise, aber es liegt kein Gleis, auch 1945 nicht)
    • Lücke
    • Platz für ein Gleis (und da liegt auch eines; auf NCAP 21.03.1945 gut zu sehen)
  • Nur ein Auflieger 1954 (Karte "Schweringheide"; ganz rechts)



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