Die Brücke über die Wolbecker Straße

Aus GUB Münster
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12 Wolbecker Straße.jpg

Brücke über die Wolbecker Straße (Google Earth)

Die Brücke über die L793/Wolbecker Straße hat noch Platz für ein weiteres Gleis im Westen. Das ist insofern erstaunlich, dass die Brücke relativ neu ist, also nicht zur gleichen Zeit wie die GUB gebaut wurde. Was für Pläne hatte die DB hier im Kopf? Mehr dazu unter Brücke Wolbecker Straße.

Nach der Wolbecker Straße wechselt das Gleis von Ost nach West (rechts nach links). Woher diese “Spurwechsel” kommen ist mir etwas rätselhaft, aber sie sind klar zu erkennen (nicht auf diesem Foto!) und finden auch Ausdruck auf den Brücken, denn die freien Bereiche finden sich mal links, mal rechts der Strecke.

Blickwinkel nächstes Bild .


Panorama Wolbecker Str.jpg Panorama Brücke über die Wolbecker Straße (Blick von Osten) (CT)




Mit Kalk beladene Selbstentladewagen auf dem Weg nach Sudmühle (CT) ...mit Bitte um Entschuldigung für die Windgeräusche.

Historie

Bei Recherchen im Landesarchiv NRW (LNRW) bin ich in "5938 Brückenangelegenheiten der Bahnstrecke Umgehungsbahn Münster (Gemeinden Münster und St. Mauritz)" auf Unterlagen zum Neubau der Brücke über die Wolbecker Straße von 1969 gestoßen.

Vor dem Neubau

Hinweis: Text in Arbeit. Planausschnitte geplant.

Wolbecker Brücke 1930, 1950 Q 001 5938 0002 scaled.jpg

Plan Brücke Wolbecker Straße (vor dem Neubau) (LAV NRW W, O 001/Bundesbahndirektion Münster Nr. 5938)

"Vor dem Neubau" weil "Ursprungszustand" es nicht ganz trifft: im und nach dem Krieg gab es diverse Änderungen, die Beschädigungen durch Bombentreffern geschuldet waren.

Der nicht datierte Plan beleuchtet näher, was es mit der Auslegung auf vier Gleise, dem Kriegsschaden und dem aktuellen Zustand auf sich hat. Da die Brücke in diesem Plan ein "Reichsbahngeländer" aufweist und rote Markierungen und Anmerkungen vorhanden sind nehme ich an, dass der Plan aus der Zeit des Baus stammt und um Informationen zu Kriegsschäden, Nachkriegszustand und geplante Baumaßnahmen ergänzt wurde.


Die Skizze stellt das Ganze noch mal mit Norden oben und lesbarem Text dar (im Plan ist Norden unten). Links (nach Westen) geht es auf der Wolbecker Straße nach Münster, rechts (nach Osten) nach - Überraschung! - Wolbeck.

Situation Wolbecker Brücke.png

Es werden vier Überbauten beschrieben:

  • Mit Anmerkung "Baujahr 1925 (1928 verschoben)", "Überbauten nicht vorhanden!" (rot unterstrichen, Überbauten durchkreuzt; in der Skizze orange dargestellt)
    • Überbau "a" (von "Überholungsstation Sudmühle" nach "Münster R.", also Richtung Süden; "Leer-Richtung")
    • Überbau "b" ("späteres Rheiner Gütergleis nach Nevinghof", also Richtung Norden; "Last-Richtung"), mit Anmerkung "Widerauflagebereich ausbessern (Füllbeton)" (in grün)
  • Mit Anmerkung "Baujahr 1928", "neuer Stahlüberbau" (in rot)", "schadhafter Widerlagerbereich", "neue Auflagebank" (in grün; in der Skizze weiß dargestellt)
    • Kein aktueller, sondern anscheinend ein geplanter neuer Überbau
  • Mit Anmerkung "Baujahr 1928" (in der Skizze blau dargestellt)
    • Überbau c (von "Münster R." nach "Überholungsstation Sudmühle", also Richtung Norden; "Last-Richtung"). Darauf lag das eines Gleis der GUB.

Interessant finde ich die angedachte Anbindung an das Gleis nach Rheine. Da Rheine westlich der GUB liegt frage ich mich, wie und wo man von diesem Gleis über oder unter das Gleis aus Sudmühle gekommen wäre. Und warum die Gleise überhaupt in dieser Anordnung liegen. Feedback willkommen!

Der Neubau

Zunächst gab es 1966 einen Antrag für eine Straßenverbreiterung von 10m auf 15,50m. Schließlich wurde eine Durchfahrtsbreite von 21m durchgesetzt.

Die alte Eisenbahnbrücke wurde in den Jahren 1927/28 erstellt. Die Widerlager waren 20,5m breit und für vier Gleise angelegt. Vor dem Krieg waren zwei eingleisige stählerne Überbauten mit durchgehendem Schotterbett vorhanden. Zur Zeit der Planung des Neubaus war davon nur ein Überbau in Betrieb, der 1950 Instand gesetzt wurde. Der andere Überbau wurde im Krieg beschädigt und ausgebaut.

Zwei eingleisige Überbauten? Nicht nach Luftbildern der Alliierten. Schon im Dezember 1943 fehlt der Auflieger, der in der Skizze weiß dargestellt ist. Die Strecke ist zweigleisig? Ein Gleis nach Norden liegt, wie heute auch, auf "c". Ein deutlich schwächeres Gleis (Baugleis?) nach Süden liegt auf "b". Da die beiden Gleise vor und nach der Brücke dicht nebeneinander liegen macht das linke Gleis einen ordentlichen "Schlenker" nach Westen.

Im März 1945 sieht die Brücke noch genauso aus, aber scheint, als ob das Gleis nach Süden verschwunden ist. Oder das Baugleis (?) ist im Frühling nicht so auffällig wie in der schneebedeckten Dezember-Landschaft.

Weiter ist den Unterlagen die Rede davon, dass die Teilstrecke zwischen den Blockstellen Pleister und Kanal wegen umfangreicher Kriegsschäden eingleisig betrieben wurde, aber eine Wiederherstellung der Zweigleisigkeit vorgesehen war.

Die neue Brücke sollte in den Widerlagern für zwei Gleise angelegt werden. Im ersten Entwurf sollte davon nur ein Überbau für das vorhandene Streckengleis gebaut werden. Der zweite Überbau sollte von der DB bei Wiederherstellung der Zweigleisigkeit erstellt werden.

Ab dem zweiten Entwurf ist von vornherein von Zweigleisigkeit die Rede, und so die die Brücke auch gebaut worden. Bis heute liegt auf der Brücke allerdings nur ein Gleis, und zwar auf der Ostseite.

Nördlich der Brücke macht das Gleis im weiteren Verlauf einen "Schlenker" von Osten nach Westen. Erst kurz von dem Pleistermühlenweg teilt sich das Gleis in die zweigleisige Strecke bis Sudmühle.

Wolbecker Brücke 02.05.1972 Q 001 5938 0001 scaled.jpg

Plan Brücke Wolbecker Straße (Neubau) (LAV NRW W, O 001/Bundesbahndirektion Münster Nr. 5938)

Ein Plan vom 05.02.1970 zeigt den Neubau. Bemerkenswert ist, dass der Neubau zweigleisig ausgelegt worden ist. Wie zumindest initial bei der Verbreiterung der Kanalbrücke sowie dem Neubau der Brücken am Höltenweg und Albersloher Weg konnte man sich anscheinend vorstellen, die GUB in Zukunft auf mehr Gleise zu erweitern.

Zur neuen Brücke gibt es sonst nicht viel zu sagen: Ein Vanille-Zweckbau aus den 70ern, und nicht gerade von Colani.


Notizen

  • Von Katasteramt Foto von vor dem Neubau besorgen
  • 3D-Nachbau der alten und neuen Brücke (Blender)
  • 1943 Zwei Auflieger (sieht aus wie Platz für 2 Gleise (es liegt kein Gleis, auch 1945 nicht) - Lücke - Platz für ein Gleis (und da liegt auch eines); auf NCAP 21.03.1945 gut zu sehen)
  • Nur ein Auflieger 1954 (Schweringheide; ganz rechts)



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